
Allos-Gründer Walter Lang im Gespräch
Seit nunmehr 30 Jahren steht der Name Allos für gesunde und unverfälschte Nahrungsmittel aus der Natur. Von Honig über Amaranth-Produkte bis hin zu Gebäck, Müslis und Fruchtriegel reicht das Produktspektrum. 30 Jahre sind ein stolzes Alter - das gilt für uns Menschen, die wir mit 30 »in voller Blüte« stehen.
Das gilt aber auch für Unternehmen, die nach drei Jahrzehnten bereits auf eine - zumeist bewegte - Vergangenheit zurückblicken. Sicher ist: Mit 30 hat man einiges zu erzählen.
Herr Lang, in ein paar Worten: Wie fing alles an?
Ursprünglich hatte ich damals in den 60er-Jahren einen ganz anderen beruflichen Hintergrund, hatte Chemie studiert und einige Jahre in der pharmazeutischen Industrie gearbeitet.
In dieser Zeit begann ich jedoch, mich immer mehr für den Bereich Naturheilkunde zu interessieren, insbesondere im Zusammenhang mit Ernährung.
Wissen Sie, gerade die Zeit Ende der 60er war ja geprägt vom Geist der Veränderung. Dinge wurden hinterfragt und neue Wege gesucht. Ich habe in jenen Jahren meinen Urlaub oft in Frankreich in der Provence verbracht und habe den dortigen Lavendelhonig mit allen seinen positiven Eigenschaften für die Gesundheit kennen und schätzen gelernt.
Ich habe mich dann immer intensiver mit diesem Thema befasst und schließlich 1973/74 eine Imkerei in Frankreich gegründet. Dass daraus eine Profession erwachsen würde, war mir natürlich nicht von Anfang an klar. Es bot sich jedoch an, den Honig aus Frankreich auch nach Deutschland zu bringen, sodass ich relativ schnell die Mölichkeiten für einen Vertrieb ausgelotet habe.
Was gab letzten Endes den Ausschlag, Ihre Tätigkeit in der Industrie aufzugeben und eine Naturkost-Produktion in größerem Rahmen zu starten?
Ein Grund waren sicherlich auch meine Kinder. Wie gesagt habe ich mich immer stärker mit dem Thema Naturheilmittel befasst und wollte daher für meine Kinder eine Ernährung, die möglichst frei von Zucker und Weißmehl ist. Ich bin dann immer tiefer in die Materie eingestiegen, habe Honigpollen in Frankreich und Spanien besorgt und auch schon erste - bescheidene - kommerzielle Erfolge mit meinem "Honighandel" erzielt.
Irgendwann musste ich mich dann zwischen meinem bisherigen Beruf und meiner neuen Tätigkeit entscheiden. Das habe ich getan, eine Imkerei in Deutschland gegründet und mir damit einen Traum verwirklicht. Dass dieser Traum wahr werden konnte, wurde sicherlich auch durch die Entwicklung einer "Naturkost-Szene" in Deutschland begünstigt. Zunächst gab es ja so etwas gar nicht.
In den späten 70er-Jahren jedoch entstanden immer mehr der so genannten "Grünen Läden", in denen sich mein Honig gut verkaufte. In der Zeit habe ich dann auch weitere Naturkostprodukte entwickelt, z.B. Fruchtschnitten, sodass die ganze Sache stetig größere Dimensionen annahm. Zugute kam mir damals, dass ich dank meiner beruflichen Vergangenheit über einen bestimmten unternehmerischen Hintergrund verfügte, der die Entwicklung sicherlich begünstigte.
Von dieser "Nischentätigkeit" bis zum heutigen Unternehmen Allos war es aber noch ein weiter Weg - kam in den 80er-Jahren der Quantensprung?
Ein wichtiger Entwicklungsschritt neben der ständigen Vergrößerung der ökologischen Anbauflächen war mit Sicherheit die stetige Etablierung von Bioläden, die die Entstehung von regionalen Verteilern für frisches Obst, Gemüse und Molkereiprodukte zur Folge hatte.
Diese späteren Großhändler waren auch an dem Vertrieb der Allos-Produkte interessiert und so begann die Zusammenarbeit mit diesen Handelspartnern, die sich bis heute bewährt hat.
Allos ist nicht zuletzt auch bekannt für seine Amaranth-Produkte. Wie kamen Sie zu diesem "exotischen" Korn?
Auf Amaranth bin ich während eines Mexiko-Aufenthalts gestoßen. Ich habe dort auf einem Markt "Alegria" entdeckt, eine mexikanische Leckerei aus aufgepopptem Amaranth und Honig. Die Eigenschaften von Amaranth haben mich sofort fasziniert und ich fing an, neue Anwendungsmöglichkeiten dafür zu suchen und zu entwickeln, beispielsweise als Müsli.
Wie würden Sie in der Rückschau die Entwicklung des Verbraucherbewusstseins in Bezug auf Naturkost beschreiben?
Zu Beginn, also Anfang der 70er-Jahre, war der Bereich Biokost noch stark mit einem entsprechenden politisch-ökologischen Bewusstsein verknüpft. Im Lauf der Zeit jedoch begann dieses Bewusstsein, auch in die so genannte Mitte der Gesellschaft zu dringen.
Meine Erfahrung ist: Beim Essen verstehen die Leute keinen Spaß, das Thema ist ihnen wichtig. Nicht zuletzt deswegen verzeichneten wir ein kontinuierlich steigendes Interesse von immer mehr Menschen an einer gesunden Ernährung. Dazu haben unzweifelhaft so einschneidende Ereignisse wie Tschernobyl wie auch ein wachsendes Medieninteresse beigetragen.
Andererseits ist das Produktspektrum der Anbieter weiter gewachsen und die Produkte sind attraktiver für immer mehr Menschen geworden. Im Einklang damit konnte sich Allos zu dem entwickeln, was es heute ist.
Wie stehen Sie heute, nach 30 Jahren, zu Allos? Sind Sie noch aktiv im Unternehmen?
Aus dem operativen Geschäft habe ich mich zurückgezogen, bin aber weiterhin als Berater tätig. Beispielsweise "mische" ich mich immer noch gerne in die Produktentwicklung ein - selbstverständlich in Abstimmung mit unseren Produktmanagern - und arbeite auch selber an neuen Produkten. Außerdem betreibe ich nach wie vor aktiv die Imkerei.
Herr Lang, Allos wird in diesem Jahr 30. Ihre Wünsche zum Jubiläum?
Zunächst einmal: Weiter so! Allos hat eine führende Position im Markt, gerade in den Bereichen Honig, Amaranth und Fruchtzubereitungen. Ich bin sicher, diese Position können wir auch künftig nicht nur halten, sondern ausbauen.
Und ich wünsche mir, dass bei allem wirtschaftlichen Erfolg die eigentliche Philosophie, die zur Gründung des Unternehmens geführt hat, auch weiterhin bestehen bleibt.
Veröffentlichung auf naturkost.org mit freundlicher Genehmigung der Allos Walter Lang GmbH.


